Exklusives Interview mit dem neuen Forsttechnikhersteller Pirk

Aktuell | Forsttechnik: So baut Pirk mit Horsch-Erfahrung eigene Maschinen Exklusives Interview mit dem neuen Forsttechnikhersteller Pirk Vom Fertigungsmechaniker bei Horsch zum Forsttechnik-Unternehmer: Michael Pirkenseer verrät im exklusiven Interview, wie seine Leidenschaft für den Wald zur Neugründung führte.

Herr Pirkenseer, wie ist Ihr beruflicher Werdegang bei Horsch und wie sind Sie ausgerechnet zur Forsttechnik gekommen"

Michael Pirkenseer: Ich habe 2001 meine Ausbildung bei Horsch als Fertigungsmechaniker begonnen und bin danach direkt in der Entwicklungsabteilung gelandet.

Zusammen mit meinen beiden Brüdern Markus und Manfred sowie unserem Vater haben wir einen Brennholzhandel aufgezogen und im Wald meines Onkels gearbeitet. Dabei war für uns immer auch die Technik interessant. So hatten wir früh einen Schubentaster und von meinem Ersparten kaufte ich mir einen Mini-Forwarder. Auch einen Sägespalter haben wir selbst gebaut. Irgendwann kam auch ein Forstanhänger dazu. Damals entstand die Ursprungsidee, selbst ein Fahrzeug zu bauen. Im Jahr 2017 begann ich mit den ersten Zeichnungen dafür.

Michael Pirkenseer hat mit seinem Bruder Markus das Unternehmen Pirk gegründet. Zunächst haben die Bayern zwei Rückewagen und eine Forstmulde im Programm. (Bildquelle: Werkbild)

Wie ging es dann weiter"

Michael Pirkenseer: Wir haben direkt zwei Prototypen gebaut, aber in eigener Initiative, also in unserer Freizeit. Allerdings war die Familie Horsch von Anfang an informiert und hat uns ­unterstützt, bspw. mit Kontakten zu Komponentenlieferanten.

Den einen Wagen kaufte direkt mein Bruder, der mittlerweile die Bewirtschaftung des Betriebes unseres Onkels übernommen hatte. Der andere Wagen sollte an einen Händler gehen, für Vorführungen und einen anschließenden Verkauf.

Wir waren überrascht über den hohen Zuspruch durch Besucher und Fachpresse.

Unseren ersten Wagen „Gepima MP19“ haben wir spontan 2022 auf der Interforst in München ausgestellt. Wir waren überrascht über den hohen Zuspruch durch Besucher und Fachpresse und waren sogar als Newcomer für den KWF-Members-Award nominiert. Die Sichtbarkeit war da und wir wussten, dass in dem Bereich was geht.

Wie konnten Sie bei der Entwicklung von Ihrem Job profitieren"

Michael Pirkenseer: Ich bin dankbar für die Berufserfahrung, die ich im Versuchs- und Entwicklungsumfeld aufbauen durfte.

Wir konnten von Beginn an auf ­einem Niveau entwickeln, das über ­typische Garagen- oder Prototypenprojekte hinausgeht: Dank fundierter methodischer Ansätze und Berechnungsmethoden ist es uns gelungen, Gewicht zu sparen und die Konstruktion genau dort zu verstärken, wo es auf maximale Belastbarkeit ankommt. Auch die Standfestigkeit im Kranbetrieb ließ sich auf diese Weise optimieren.

Die Nachfrage zog an – aber wenn ich ehrlich bin, hat uns das nicht wirklich überrascht. Viele Praktiker sind überzeugt von unserer Konstruktion. Dann kamen wir als „Feierabend-Start­­up“ an unsere Grenzen. Wir mussten professioneller werden.

Wir kamen als „Feierabend-Start­­up“ an unsere Grenzen und mussten professioneller werden.

Auf der letzten Agritechnica stand der Wagen dann bei Horsch auf dem Stand. Wie ist die Verbindung zu Horsch heute"

Michael Pirkenseer: Zunächst lief die Forsttechnik unter der Marke „Horsch Pirk Forestry GmbH“. Das brachte viele Vorteile beim Einkauf, der Fertigung, bei der Entwicklung, aber auch im Marketing, Vertrieb und Service.

Organisatorisch haben wir uns mittlerweile aber anders aufgestellt. Künftig tritt Pirk als eigenständiges Unternehmen am Markt auf. Zusammen mit meinem Bruder Markus leite ich die Firma.

Künftig tritt Pirk als eigenständiges Unternehmen am Markt auf.

Pirk konzentriert sich auf die Forsttechnik und Horsch wieder auf die Landtechnik. Trotz der eigenständigen Ausrichtung bleibt aber die partnerschaftliche Zusammenarbeit mit Horsch bestehen.

Was heißt das konkret"

Michael Pirkenseer: Wir nutzen innerhalb dieser Partnerschaft aktuell die Infrastruktur. So werden unsere Maschinen derzeit in Schwandorf gebaut. Auch die Lagerhaltung ist dort. Es wird sich zeigen, wie sich das künftig weiter entwickelt.

Wo sehen Sie Ihre Kernmärkte"

Michael Pirkenseer: Unser Markt ist vor allem die DACH-Region, der Schwerpunkt liegt auf Deutschland. In allen Ländern haben wir die Straßenzulassung bis 40 km/h, erfüllen die gültigen Sicherheitsauflagen und bieten professionelle Ladungssicherung.

Wir sprechen große Forstbetriebe und Unternehmer an. Durch unsere Transportmulden wollen wir auch bei Problembaumfällungen und der Landschaftspflege eine Rolle spielen. Immer wenn es um Straßenfahrten und größere Entfernungen geht, haben wir ­einen Vorteil gegenüber den selbstfahrenden Forstmaschinen.

Wie gehen Sie auf die Kunden ein"

Michael Pirkenseer: Ich bin überzeugt, dass wir sehr flexibel auf die Wünsche der Kunden eingehen können. Basis dafür ist der Produktkonfigurator, den wir von Horsch übernommen haben. Hier kann sich der Kunde seinen in-dividuellen Wagen zusammenstellen. Wir haben bspw. vier verschiedene Antriebsvarianten im Programm: Kein Antrieb, erste oder zweite Achse an-getrieben, beide Achsen. Es gibt zwei Kräne, unterschiedliche Kransteuerungen bis zum Funk, vier verschiedene Bereifungen, drei verschiedene Astwannen, Greifervarianten usw. Die Konfiguration zieht sich durch die komplette Produktion.

Augenfälliges Merkmal der Wagen ist die patentierte Lenkdeichsel mit obenliegenden Zylindern. Damit lässt sich der Wagen vorne anheben oder auch absenken. (Bildquelle: Colsmann)

Wo sehen Sie die Besonderheiten ­Ihres Wagens"

Michael Pirkenseer: Besonders auffällig ist sicher die patentierte Lenk- und Knickdeichsel, die uns in schwerem Gelände Vorteile bringt. Die gibt es in dieser Form nur bei uns am Markt. Zusammen mit dem hinteren teleskopierbaren Rahmen können wir auch in stark ansteigende Rückegassen rückwärts einfahren.

Der erste Käufer, der den Wagen schon vor Fertigstellung und Firmengründung erworben hatte, wollte unbedingt einen Radantrieb. Den haben wir dann zeitnah entwickelt. Die Hy­dromotoren sind zweistufig und haben einen integrierten Freilauf. Durch die zwei Fahrstufen können wir mit gleicher Pumpenleistung somit die doppelte Fahrgeschwindigkeit mit aktivem Antrieb erreichen.

Die Ansteuerung der Motoren läuft bei uns mit Volumenstromregelung und nicht über eine Druckregelung. Das verhindert, dass ein Rad unkon­trolliert durchdreht. Bei unserem Antrieb kann der Fahrer elektronisch einstellen, ob die Räder synchron, mit Voreilung oder demnächst mit Verzögerung gegenüber den Traktorrädern laufen.

Ein weiteres Merkmal ist bei uns die Zulassung für 40 km/h auf der Straße – beladen, wohlgemerkt. Das ist unter anderem wichtig, wenn es um den Abtransport von z. B. Käferholz oder Hackgut geht.

Ein weiteres Merkmal ist bei uns die Zulassung für 40 km/h auf der Straße – beladen, wohlgemerkt.

Den Kran unseres aktuellen Wagens kauften wir beim Hersteller Icarbazzoli in Italien. Zusammen mit den Spezialisten dort haben wir die Kinematik optimiert, sodass wir bspw. den Ausleger bei Leerfahrten auf der Ladefläche ablegen können. Das entlastet den Arm und das Drehwerk.

Hat bei der Entwicklung direkt ­alles geklappt"

Michael Pirkenseer: Natürlich braucht ein solcher Entwicklungsprozess Feinschliff: Nach den ersten Praxistests in einer Probefahrt haben wir das Gelenk und die Deichselkinematik noch einmal gezielt optimiert. Erst als wir die Anlenkpunkte der Zylinder besser aufeinander abgestimmt hatten, war das Ergebnis so, wie wir es uns vorgestellt haben. Diese Konstruktion bildet bis heute das Fundament für unsere Kinematik.

Was waren die weiteren Schritte"

Michael Pirkenseer: Durch den Radantrieb haben wir das Chassis des Wagens überarbeitet. Daraus entstand dann der Pirk 20 MP. Er steht im Vergleich zum 19er etwas breiter, größere Reifen sind möglich, das Frontgitter ist etwas höher. Er hat 20 t zulässiges Gesamtgewicht.

Welche Modelle gibt es aktuell"

Michael Pirkenseer: Wir haben die klassischen Rückewagen Pirk 16 MP und 20 MP, wobei die Zahl für die ­zulässige Gesamtmasse steht. Dazu kommt die Forstmulde Pirk 20 TM. Den 20 MP gibt es in der Ausführung S übrigens auch ohne Kran.

Was kommt als nächstes"

Michael Pirkenseer: Derzeit sind kleinere Ausführung zwischen 12 und 14 t in Vorbereitung. Natürlich haben die Wagen auch unsere Hebel-Lenkdeichsel, allerdings mit einer für die Klasse angepassten Geometrie.

Wir bieten für unsere Wagen neben den Kränen von Icarbazzoli auch Palfinger-Kräne an. Insgesamt wollen wir es uns noch offenlassen, ob wir vielleicht auch einmal mit einem eigenen Kran kommen.

Derzeit sind kleinere Ausführung zwischen 12 und 14 t in Vorbereitung.

Wir haben rund um den Einsatz noch einige weitere Ideen. So denken wir über einen Fällgreifer für Problembäume nach. Außerdem werden wir weitere Varianten mit kippbarer Forstmulde auf einem Chassis mit und ohne Kran anbieten.

Beim Fahrantrieb arbeiten wir an der Steuerung. Der Plan ist, dass der Antrieb bei Bergabfahrt verzögert, also etwas langsamer ist und so bremst. Das ist nicht ganz einfach, denn man muss dabei die Bremsenergie loswerden.

Es geht ja das Gerücht, dass Sie auch an selbstfahrenden Forstmaschinen arbeiten. Wie sieht es damit aus"

Michael Pirkenseer: Wir haben zwar einige Schutzrechte auf Ideen beantragt. Aber so schnell wird es noch keine selbstfahrenden Maschinen von uns geben. Wir bauen zunächst unser bestehendes Programm aus.

Exklusives Interview mit dem neuen Forsttechnikhersteller Pirk

Freitag, 28. August 2026

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